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Um den Ausbau des Versicherungssektors in Entwicklungsländern zu fördern, sind neben Finanzierungen gerade der Know-How-Transfer und technischer Support wichtig. Im westafrikanischen Benin unterstützte die DEG vor kurzem eine private Hochschule bei der Ausbildung von Versicherungsmathematikern.
In Entwicklungsländern sind die Menschen besonders häufig Risiken ausgesetzt, die ihre wirtschaftliche Existenz bedrohen: Überschwemmungen, Ernteausfälle, Krankheiten, Todesfälle. Einen Versicherungsschutz haben aber die wenigsten. Trotz großer Nachfrage nach Risikoabsicherung gibt es keine entsprechenden Angebote. Die DEG wird deshalb den Versicherungssektor als strategisches Geschäftsfeld weiter ausbauen und Versicherer aktiv fördern. So schulte sie im westafrikanischen Benin angehende Aktuare.
Machen Versicherungsbeiträge etwa in Deutschland knapp 7 % des BIP aus, sind es in Nigeria unter 0,5 %. Dabei sind die entwicklungspolitischen Effekte von Versicherungen auch auf der Haushaltsebene beträchtlich: Kapitallebens- und Rentenversicherungen fördern die gesamtwirtschaftliche Ersparnisbildung, helfen, Altersarmut zu verringern und sichern Familien im Todesfall finanziell ab.
Nur wenige Menschen in Entwicklungsländern entschließen sich bislang, ein eigenes Unternehmen zu gründen – zu groß scheint das Risiko, wenn Ausfälle drohen. Die Bildung von Rücklagen scheitert, weil viele Haushalte „von der Hand in den Mund“ leben müssen. Sachversicherungen können deshalb wesentlicher Katalysator für Investitionen und damit für das Wachstum des einzelnen Unternehmens und der Gesamtwirtschaft sein. Versicherungen für Gebäude und Maschinen sichern das betriebliche Vermögen, sie ermöglichen z.B. eine zügige Schadensbehebung und die Wiederaufnahme des Betriebs. Auch sind sie Voraussetzung für eine Kreditvergabe und entscheidend für attraktive Kreditkonditionen.
Den Versicherungsunternehmen in Emerging Markets fehlt es häufig an verlässlichen Informationen, an eigenen und externen Datenquellen zur Risikokalkulation. Zudem sind nur wenige Ausbildungsmöglichkeiten vorhanden. In Nigeria gibt es zum Beispiel 50 Versicherungsunternehmen, rund 150 Millionen Einwohner, aber nur 10 ausgebildete Aktuare.
Auch sind Good Corporate Governance-Standards keine Selbstverständlichkeit in Familienunternehmen und den Aufsichtsbehörden mangelt es häufig an Durchsetzungskraft und Know-How. Viele junge Versicherungsunternehmen haben zudem Schwierigkeiten, geeignete Produkte zu entwickeln und zu vermarkten. Sie sind auf Dauer zu klein und zu leistungsschwach, um von Skaleneffekten, „economies of scale“, zu profitieren.
Will man den Versicherungssektor entwickeln, geht es daher nicht nur darum, die Kapitalausstattung von Versicherungsgesellschaften durch Beteiligungen oder Darlehen zu verbessern. Ausbildung, technische Unterstützung und der Know-How-Transfer spielen auch eine große Rolle.
Die DEG beteiligt sich deshalb nicht nur an Unternehmen aus der Versicherungswirtschaft sondern berät sie auch bei der Einführung von Informations- und Kontrollsystemen sowie neuer Produkte und Vertriebswege. Sie unterstützt sie bei der Risikoanalyse und bei der gezielten Ausbildung ihrer Mitarbeiter.
So unterrichtete Marcus Bonn, DEG Senior Investment Manager und Aktuar vor kurzem in Cotonou im westafrikanischen Benin angehende Aktuare eine Woche lang zum Thema „Acturial Science“. Organisiert hatte das Seminar der Verein „Aktuarwissen für Afrika e.V.“, der das deutsche Ausbildungssystem zum Aktuar in Westafrika eingeführt hat. Teilnehmende waren Studierende des privaten „Institute de Superior Management Adonai“, in dessen Räumen die Schulung auch stattfand. In fünf Tagen lernten 19 Teilnehmer aus Benin und anderen westafrikanischen Ländern im Ausbildungsblock „Financial Mathematics“ die Grundlagen von Investitionsrechnung, Zinstitel, Portfoliotheorie, Futures, Swaps und Optionen.
Marcus Bonn zieht nach dem Seminar und dem Besuch fünf lokaler Versicherungsunternehmen ein erstes Fazit: „Der westafrikanische Markt ist noch klein, aber ausbaufähig, zumal einige Versicherer in mehreren Ländern operieren. Neben der finanziellen Beteiligung an Versicherungsunternehmen wird langfristig vor allem die Schulung junger zukünftiger Versicherungsmanager den Aufbau der Versicherungswirtschaft in Afrika unterstützen.“
Das Engagement der DEG wird von anderen Marktteilnehmern als Qualitätssiegel wahrgenommen und mobilisiert damit weitere Investitionen. So verbessert sich auch das Rating der Versicherungsunternehmen. Über die Stärkung einzelner Unternehmen hinaus leistet die DEG damit einen Beitrag zur Professionalisierung des Finanzsektors in sich entwickelnden Ländern.
Bisher beteiligte sich die DEG mit Eigenkapital an einem afrikanischen Rückversicherer, an einem Unternehmen in Thailand, das auf Kfz-Versicherungen spezialisiert ist, und einem indonesischen Anbieter von Lebensversicherungen.